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zur geplanten B 26n durch die Landkreise Main-Spessart und Würzburg

Sehr geehrter Herr Landrat Thomas Schiebel,
sehr geehrte Damen und Herren des Kreistages Main-Spessart,

als Vorsitzende des Vereins „Bürger und Kommunen gegen die Westumgehung/B 26n e.V.“ möchten wir vorab feststellen, dass sich auch durch das abschließende Ergebnis der Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) für uns an den grundsätzlichen, sehr großen Bedenken gegen das Straßenprojekt B 26n nichts ändert.

Wenn eine ganz schlechte und eine weniger schlechte Planung verglichen werden, dann ist im Vorhinein völlig klar, dass einige meinen mit der weniger schlechten Planung sei nun alles in Butter und die Idealvariante gefunden. Dem ist aber nicht so. Wenn wir kein Straßenbauprojekt mit dem nun favorisierten Mittelkorridor vergleichen, dann schneidet der Mittelkorridor extrem schlecht ab.

Image Das Ergebnis kann in der hochsensiblen unterfränkischen Landschaft mit ihrer dichten Besiedelung gar nicht so ausfallen, dass es eine hinnehmbare Trassenführung für Mensch und Natur gibt.

Es gilt mit unserer mainfränkischen Landschaft eine vielgliedrige, abwechslungsreiche, Natur- und Kulturlandschaft zu erhalten. Dabei geht es um die Existenz einer Vielfalt von Pflanzen und Tieren und um die Sicherung der Biodiversität. Die Artenvielfalt ist die Existenzgrundlage des Menschen. Die B 26n und ihre Anbindungen, die etwa 600-800 ha Land verschlingen würden, stehen im krassen Widerspruch hierzu.

Der durch die UVS untersuchte sogenannte Mittelkorridor ist, aus der Geschichte dieses Vorhabens ableitbar, ein Hybrid zwischen einem Autobahnring um Würzburg und einer Verbesserung der Erschließungsachse B 26 im Landkreis Main-Spessart. Tauglich ist das Hybrid B 26n weder für die Entlastung der Stadt Würzburg noch für die Erschließung des Landkreises Main-Spessart.

Entscheidend für die Stadt Würzburg ist, dass die gewünschte Entlastung der Stadt durch den Bau dieser Straße laut Zahlen des Staatlichen Bauamtes Würzburg, nur marginal ausfällt. In der großräumigen Verkehrsuntersuchung zur Planung der B 26n (westlich AD Würzburg West – Karlstadt – AD Schweinfurt/Werneck) aus dem Juli 2007 ist zu entnehmen (s. Plan 11 + 12), dass mit einer tatsächlichen punktuellen Entlastung des Kernstadtbereiches zwischen 0 und etwa 8 Prozent zu rechnen ist.

Die B 26n ist untauglich, den Landkreis Main-Spessart verkehrlich besser zu erschließen. Auch teure Zusatzstraßen wie die gewünschte Verbindung zwischen Lohr am Main und der B 26n bei Duttenbrunn, ändern an dieser Tatsache sehr wenig. Diese als Staatsstraße geplante Anbindung wird zwar in der UVS mit untersucht, ist jedoch weder im Staatstraßenausbauprogramm noch in der Finanzplanung enthalten. Unklar ist auch, was an Kostenbeteiligungen durch die verschiedensten Anbindungen an die örtlichen Straßennetze auf die betroffenen Kommunen zukommt. Hierzu gibt es bisher keinerlei Aussagen.

Die Stadt Gemünden und weite Teile des nördlichen und westlichen Landkreises Main- Spessart liegen auch weiterhin im Abseits. Die B 26n widerspricht dem Konzept von Entwicklungsachsen (vgl. Regionalplan und Landesentwicklungsplan). Main-Spessart ist grundsätzlich ausreichend mit Fernverkehrsstraßen versorgt. Dingender Handlungsbedarf besteht aus unserer Sicht in der Instandhaltung des bestehenden Straßennetzes und in Teilbereichen bei der Linienführung bestehender Staats- und Bundesstraßen. Solche Investitionen kämen vor allem der regionalen Bauwirtschaft zu Gute, die unter der aktuellen Wirtschaftslage mehr denn je Impulse durch die öffentliche Hand erhofft.

Image Die UVS beinhaltet eine möglichst gefällige Trassenführung, um zu zeigen dass die B 26n angeblich unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf Mensch und Natur geplant wird. Selbst wenn in Karlstadt die Tunnelvariante, als scheinbar umweltverträglichste Lösung mit dem geringsten Raumwiderstand im Ergebnis UVS heraus gekommen ist, sind nach wie vor die Siedlungsgebiete am Stadtrand sowie in Laudenbach und Heßlar unerträglich hoch belastet. Zudem wird erst im Raumordnungsverfahren bzw. dem Linienbestimmungsverfahren die exakte Linienführung ermittelt. Erst in diesen Folgeverfahren sind die Kosten für den Bau und den Unterhalt der autobahnähnlichen Straße relevant. Denn die UVS beurteilt die Trassenführung nur nach dem Raumwiderstand und hat keine Rechtsverbindlichkeit. Wie Christoph Eberlein, Leiter des Bereichs Straßenbau im Staatlichen Bauamt Würzburg, bereits 2009 öffentlich erklärte: kennt die UVS keine Kosten. Vermutlich werden am Ende auch diejenigen, die die sich für den Tunnel aussprechen, in die berühmte Röhre, aber nicht in einen Tunnel schauen.

Die Auswirkung der Autobahnplanung mit einem Tunnel südlich von Karlstadt stellen sich nach unserer Auffassung folgendermaßen dar:

Ein Tunnel würde lediglich die Unbewohnbarkeit des Baugebietes Am Steinlein verhindern und für das neue Baugebiet Im Wurzgrund nur wenig Verbesserung bringen. Dort wird jedoch die „Aussicht“ auf eine ca. 30 Meter hohe und etwa 500 Meter entfernte Autobahnbrücke mit Lärm und Abgasen (von prognostizierten 39.000 Fahrzeugen am Tag) die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen. Für die Karlstadter Ortsteile Laudenbach und Heßlar indes, bedeute auch die Tunnellösung nach wie vor eine unzumutbare Belastung. Die Laudenbacher werden weiterhin, mit einer 30 Meter hohen Mainbrücke belastet, die sich in einer Entfernung von etwa 400 Metern zur Bebauungsgrenze befinden wird. Keine Verbesserung bringt ein Tunnel für Heßlar und die von den zu bauenden Autobahnzubringern betroffenen Wohngebiete Karlstadts. Diese werden, wie auch das Naherholungsgebiet am Saupurzel, einer erheblichen Lärm- und Luftbelastung ausgesetzt sein.

Image Der Verein Bürger und Kommunen gegen die Westumgehung Würzburg/B26n e.V. ist keineswegs gegen neue, gut ausgebaute und sichere Straßen, die dem Regionalverkehr und der tatsächlichen Entlastung der Bevölkerung dienen. Wir wenden uns lediglich gegen das Projekt B 26n, welches als mautfreie Transitstrecke mit ca. 40.000 Fahrzeugen am Tag konzipiert werden soll.

Wir sind für die Entlastung der Stadt Würzburg durch den Ausbau der A3 und der A7 und für bedarfsgerechte kleine Lösungen wie zum Beispiel Ortsumgehungen der B 26 im Werntal. Genau jetzt könnten durch eine Neubewertung des Projektes hohe Folgekosten vermieden werden. Eine Nachberechnung der Verkehrsprognosezahlen hat zudem ergeben, dass nicht wie bislang angenommen, 44.000 Fahrzeuge sondern inzwischen „nur noch“ bis zu 39.000 Fahrzeuge die B 26n befahren werden.

Zukünftig ist, unter anderem bedingt durch die demografische Entwicklung, mit weiter rückläufigen Zahlen zu rechnen. Ein Planungsstopp zum jetzigen Zeitpunkt würde für die Region die Chance bieten, über machbare Alternativen nachzudenken.

Angesichts des geringen Nutzens, der hohen Zerstörung von Natur- und Lebensqualität und der in Zeiten knapper Kassen horrenden Kosten von einer inzwischen auf 491,4 Mio. € angewachsenen Investitionssumme (bisher geschätzte 380 Mio. €), fordern wir die Planungen sofort zu beenden. Bitte unterstützen Sie unsere Bemühungen, eine völlig unnötige Geldverschwendung und die Zerstörung unserer Heimat zu verhindern.

Hier können Sie den Brief im PDF Format downloaden.

 
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