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Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2009 |
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Gefragt wurden die Direktkandidaten für den Wahlkreis 249
Main-Spessart/Miltenberg
Bürger und Kommunen gegen die Westumgehung Würzburg/B 26n fragten - und drei Kandidaten antworteten
Mit Wahlprüfsteinen zur Planung der B 26n hat sich der Verein Bürger und
Kommunen gegen die Westumgehung Würzburg/B 26n e.V. an die fünf
Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien im Wahlkreis
Main-Spessart gewandt.
Geantwortet haben nur Heiko Schmidt, GRÜNE; Laszlo
Riedl, FDP und Thomas Endres, LINKE. Alle drei werden sich im Fall ihrer
Wahl in den Bundestag gegen den Bau der B 26n einsetzen. Die Bewerber von
CSU und SPD gaben keine Antwort ab. Die Vorstandschaft bedauert dies
ausdrücklich und hat kein Verständnis dafür, dass Bewerber um ein
Bundestagsmandat bei einer für die Region wesentlichen Frage, die Antwort
schuldig blieben.
SPD: Bernd Rützel
CSU: Wolfgang Zöller
Die Bewerber sollten entweder drei Gründe für oder alternativ gegen den Bau der B 26n nennen.
Heiko Schmidt, Bündnis 90/DIE GRÜNEN:
Meine drei Hauptgründe gegen die B 26n:
Diese Straße erfüllt die in sie gesetzten Erwartungen nicht, da sie für
eine Umgehung/Entlastung von Würzburg zu weit entfernt liegt. Eine Studie
besagt, dass die Verkehrsentlastung für Würzburg unter 10 % liegt! Sie kann
keine Erschließungsstraße für den gesamten Landkreis Main-Spessart sein, da
sie lediglich im Werntal und in Karlstadt zu Verbesserungen führt (die auch
anders erreicht werden könnten). Der gesamte restliche Landkreis wird
lediglich durch aufwändige neue Anbindungen (wie z.B. nach Lohr), die nicht
finanziert sind, oder gar nicht besser erschlossen (Gemünden).
Die zusätzlichen Belastungen von bis zu 20.000 Fahrzeugen auf insgesamt
40.000 am Tag sind weder der Bevölkerung noch der Umwelt zuzumuten. Die
zerstörerischen Eingriffe in unsere Heimat und die immensen Kosten stehen in
keinem Verhältnis zum Nutzen.
Laszlo Riedl, FDP:
Zwar bringt die B26n für einige Gemeinden im Main-Spessart-Kreis eine
bessere Anbindung an das Fernstraßennetz, doch überwiegen für mich die
Nachteile. Der Flächenverbrauch: ständig wird zum Beispiel aus Sicht des
vorbeugenden Hochwasserschutzes die Versiegelung offenen Bodens beklagt.
Hier soll sie stattfinden? Die Belastung bisher naturnaher Kulturlandschaft
mit Lärm und Veränderung des Landschaftsbildes. Diese Landschaft ist auch
für den Tourismus ein wichtiges Argument.
Die Kosten: Ein Ausbau von A7 und A3 ist deutlich kostengünstiger zu haben
als eine neue Trasse. Überdies refinanziert sich ersterer durch die
Mauteinnahmen, während durch die B26n die Mauteinnahmen auf den umfahrbaren
Autobahnabschnitten sinken werden.
Thomas Endres, LINKE:
Gründe gegen den Bau:
Für die B 26n gibt es keinen vernünftigen Grund. Dieser Straßenbau würde
mindestens 800 Hektar fruchtbares und wertvolles Land verschlingen. Die
Naturschäden wären katastrophal, denn das Gleichgewicht der Pflanzen- und
Tiervielfalt würde unwiederbringlich zerstört, auch die
Trinkwasserversorgung gefährdet.
Auf manche Gemeinden würde eine erhebliche
Abgas- und Lärmbelastung zukommen. Den Bürgern dieser Gemeinden würde die
bisher hervorragende Lebensqualität erheblich gemindert, zudem würde der
Wert ihrer Immobilien sinken.
Wodurch können Sie belegen, dass es zu Unternehmensneuansiedlungen nach Fertigstellung der B 26n im Landkreis Main-Spessart kommen wird und die von einigen erwarteten Arbeitsplatzeffekte auch eintreten werden?
Heiko Schmidt, Bündnis 90/DIE GRÜNEN:
Eine Neuansiedlung von Unternehmen kann niemand vorhersagen. Das ist reine
Kaffeesatzleserei.
1. Die Faktoren für eine Unternehmensansiedlung sind sehr vielfältig und
nicht nur von der Fernstraßenanbindung abhängig. Es gibt keinerlei Garantie
für die Unternehmensneuansiedlung. Betriebsansiedelungen in
arbeitsintensiven, produzierenden Gewerbe sind nicht zu erwarten.
2. Mit einer Fertigstellung der B26n, würde sie denn gebaut, ist nicht vor
dem Jahr 2035 zu rechnen. Bis dahin wäre im untergeordneten Straßenbereich
des Landkreises (in dem schwerwiegende Ausbau-Defizite vorzufinden sind) mit
keinen Verbesserungen zu rechnen.
Main-Spessart ist ein Flächenlandkreis mit einer niedrigen
Arbeitslosenquote, diese wird sich auch durch die B 26n nicht senken lassen.
Das größere Problem für die Unternehmen sind die in nicht ausreichender Zahl
vorhandenen qualifizierten Arbeitnehmer. Main-Spessart muss verstärkt auf
Bildung und den gesamten Dienstleistungssektor setzen (dazu zählt auch der
Tourismus). Die B 26n garantiert keinesfalls die Schaffung neuer
Arbeitsplätze, das lässt sich durch nichts belegen. Vergleiche mit anderen
Straßen wie z.B. der B 469 im Landkreis Miltenberg können nicht angestellt
werden, da die dortigen Verhältnisse andere sind. Oft handelt es sich
lediglich um Unternehmensverlagerungen innerhalb des Landkreises, ohne
positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.
Laszlo Riedl, FDP:
Ich glaube nicht, dass die B26n für Unternehmensansiedlung entscheidend
sein wird. Wichtiger als solche Straßenprojekte ist das Vorhandensein von
ausgebildetem Fachpersonal. Durch die B26n wären allenfalls lokale
Verschiebungen zur erwarten.
Thomas Endres, LINKE:
Die B 26n würde keine Garantie für Unternehmensansiedlungen bieten. Viele
Arbeitsplätze in MSP sind von der Kraftfahrzeug- und Maschinenbauindustrie
abhängig. Fraglich, ob sich diese Branchen jemals auf das Auslastungsniveau
vor der Krise erholen. Wahrscheinlich verlagert die Industrie weiterhin
Arbeitsplätze ins Ausland, als nach MSP. Zweifellos würde die B 26n
Arbeitsplätze in Gastronomie und Hotelgewerbe zerstören, denn die schöne
Landschaft Main-Spessarts würde durch die B 26n wesentlich an
Anziehungskraft verlieren.
Wie kann den momentan durch Verkehrsprobleme besonders stark belasteten Gemeinden (z.B. im Werntal) zeitnah (also innerhalb von ca. 5 Jahren)
geholfen werden?
Heiko Schmidt, Bündnis 90/DIE GRÜNEN:
Kurzfristig: Es muss unmittelbar eine Sperrung für den Schwerlastverkehr
(Transitverkehr, nicht Ziel-Quellverkehr) erfolgen. Tonnage und
Geschwindigkeitsbeschränkungen können ebenfalls hilfreich sein.
Mittelfristig: Es muss sofort mit den Planungen für kleine, regionale
Verkehrslösungen (wie z.B. Ortsumgehungen) begonnen werden.
Langfristig: Es muss ein Gesamtkonzept für bedarfsgerechte Straßenlösungen
im Landkreis Main-Spessart erstellt werden.
Laszlo Riedl, FDP:
Auch lokale Straßenbauprojekte dauern von Planung bis Realisierung leider
meist länger als 5 Jahre. Einzelne Baumaßnahmen müssen deshalb beschleunigt
werden. Ein Fallenlassen der Planung der B26n würde hier zusätzliche
Ressourcen freimachen.
Thomas Endres, LINKE:
Die A7 sollte zwischen Werneck und dem Biebelrieder Kreuz auf sechs
Fahrspuren ausgebaut werden. Dadurch käme es bei Unfällen zu weniger Staus
und die Anliegergemeinden würden nicht wie bisher so stark durch den
Umleitungsverkehr belastet. Weniger Stau = weniger Umweltbelastung.
Gibt es für Sie Alternativen, um die hinter den Planungen stehenden Ziele
(Entlastung Würzburg und Erschließung Landkreis Main-Spessart) zu erreichen
und wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoller, in die Verbesserung des bestehenden
Fernstraßennetzes zu investieren, statt die B 26n zu bauen?
Heiko Schmidt, Bündnis 90/DIE GRÜNEN:
Entlastung Würzburg:
Der sechsstreifige Ausbau der A 3 (wie er ja schon zurzeit stattfindet) ist
ein Teil der Problemlösung für den Fernverkehr. Ein sechsstreifiger Ausbau
der A 7 im Raum Unterfranken könnte ein weiterer Teil der Lösung sein. Das
alles würde auf bestehenden Trassenführungen ablaufen und es würde keine
neue Transitachse mit allen Konsequenzen geschaffen. So würde dem
Transitverkehr und der Entlastung der Stadt Würzburg Rechnung getragen.
Außerdem könnten weite Teile des Stadtgebietes für den LKW-Transitverkehr
gesperrt werden. Die bisherigen Sperrungen zeigen jetzt schon Wirkung.
Verbesserungen in Main-Spessart:
Die Verkehrsprobleme im Landkreis Main-Spessart könnten durch den Ausbau der
bestehenden Straßen, möglichst auf vorhandenen Trassen und dem Neubau einer
zweistreifigen Bundesstraße auf der Höhe über dem Werntal bis Karlstadt und
einer entsprechenden Fortführung bis Lohr gelöst werden. Die Stadt Lohr ist
durch den im Bau befindlichen Aufstieg bei Marktheidenfeld sehr gut an die A
3 angebunden. Hier fehlen dann nur noch die Ortsumgehungen Neustadt und
Hafenlohr.
Laszlo Riedl, FDP:
Primär sehe ich eine Priorität für den Ausbau der bestehenden Fernstraßen.
Eine Hängepartie wie etwa beim baden-württembergischen Teilstück der A3 darf
es nicht geben. Natürlich kann auch im Bereich der Staats- und Kreisstraßen
noch mehr getan werden, wobei aber immer die lokale Bevölkerung und die
Gemeinden in die Planungen eingebunden werden muss.
Thomas Endres, LINKE:
Die A3 ist zwischen Biebelried und Marktheidenfeld oft total überlastet.
Ein durchgehender Ausbau auf sechs Fahrspuren würde viele Staus verhindern
und so auch den Verkehrsfluss nach MSP beschleunigen.
Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dem Zwischenbericht der Umweltverträglichkeitsstudie?
Heiko Schmidt, Bündnis 90/DIE GRÜNEN:
Der Zwischenbericht der Umweltverträglichkeitsstudie macht deutlich, dass
es eine B 26n in der geplanten Form keinesfalls geben darf. Die Belastungen
für Mensch und Natur sind nicht akzeptabel. Lärm und Dreck macht die
Menschen krank. Die Straße wird laut Bauamt Würzburg so geplant, dass sie
ohne aktiven Lärmschutz auskommt. Das heißt, die Grenzwerte werden auch ohne
z. B. Lärmschutzwände eingehalten. Das bedeutet trotzdem eine zusätzliche
Belastung für die Bewohner von Karlstadt, Stetten, Heßlar, Laudenbach und
Himmelstadt im Landkreis Main-Spessart. Von den Belastungen im Landkreis
Würzburg ganz zu schweigen. Das bedeutet: Wer darüberhinaus Lärmschutz will,
muss ihn dann selber bezahlen.
Die Planungen für den Bau der B 26n sind aufgrund der Feststellungen in der
Umweltverträglichkeitsstudie nicht umsetzbar!
Laszlo Riedl, FDP:
Der hohe Raumwiderstand lässt mir die bestehende Planung für nicht
umsetzbar erscheinen.
Thomas Endres, LINKE:
Die Risikenschönigung der Studie ist eklatant, um eine eigentlich nicht
genehmigungsfähige Autobahn zu ermöglichen. Zum Beispiel wurden die Risiken
für die Stabilität der Grundwasserversorgung oder die Anwohnerbelastung sehr
verharmlost dargestellt.
Ist der Bau einer B26n vor diesem Hintergrund verantwortbar?
Heiko Schmidt, Bündnis 90/DIE GRÜNEN:
Eindeutig: Nein!
Laszlo Riedl, FDP:
Nein!
Thomas Endres, LINKE:
Die Belastungen im Verhältnis zum Nutzen, wären für die Menschen, Tiere und
für die Natur enorm, deshalb ist der Bau der B 26n als unverantwortlich
abzulehnen.
Wie beurteilen Sie die Planungen für den Bau einer B 26n aus
finanzpolitischer Sicht? Ist sie verantwortbar?
Heiko Schmidt, Bündnis 90/DIE GRÜNEN:
Wir sind kaum in der Lage den Unterhalt und die Verbesserungen am
bestehenden Fernstraßennetz zu finanzieren. Der Bundesverkehrswegeplan ist
aus finanzieller Sicht, mehrfach überzeichnet. Eine Straße mit einem derart
schlechten Kosten-Nutzenverhältnis muss aus dem Bundesverkehrswegeplan und
aus dem Finanzplan herausgenommen werden. Neben dem Ausbau von A3 und A7
würde der Bau der B 26n eine Doppelfinanzierung bedeuten.
Laszlo Riedl, FDP:
Ein Blick auf den Schuldenstand des Bundes verbietet die die Durchführung
von Großprojekten mit derart schlechtem Kosten/Nutzen-Verhältnis wie der
B26n.
Thomas Endres, LINKE:
Die für den Bau der B 26n veranschlagten Baukosten in Höhe von 380 Mio.
Euro sind unrealistisch, da sie auf der Berechnung von 2004 basieren und
erforderliche Natur- und Umweltschutzmaßnahmen nicht berücksichtigen.
Erfahrungsgemäß fallen die Kosten für derartige Großprojekte immer
wesentlich höher aus. Bei der B 26n kann ohne Übertreibung von 600 Mio. Euro
ausgegangen werden. Dieser Betrag ist im Verhältnis zum äußerst
zweifelhaften Nutzen der B 26n nicht verantwortbar.
Wie soll Ihrer Meinung nach die Finanzierung der B 26n vor dem Hintergrund der Finanzlage des Bundes erfolgen?
Heiko Schmidt, Bündnis 90/DIE GRÜNEN:
Überhaupt nicht. Es gibt wichtigere Straßen. Der Ausbau der A3 und der A7
muss vorangetrieben werden. Für Main-Spessart sind sofort bedarfsgerechte
Lösungen zu untersuchen, zu planen und umzusetzen.
Laszlo Riedl, FDP:
Der Bau sollte in Verantwortung vor der nächsten Generation, die unsere
Schulden zu bezahlen hat unterbleiben.
Thomas Endres, LINKE:
Die angespannte Finanzlage des Bundes würde bei Ausführung der B 26n
möglicherweise die Finanzmittel für andere Infrastrukturmaßnahmen im Kreis beschneiden |
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