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Keine Hysterie, sondern Zorn |
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Zum Leserbrief „Hysterie nicht gerechtfertigt“ in der Main Post.
Der Leserbrief von Thomas Obert ist der erste der „Pro-Seite“, der sich um eine sachliche Diskussion bemüht. Ich nehme das Angebot gerne an, um aus meiner Sicht in einigen Punkten, ich hoffe ebenso sachlich, zu widersprechen.
Herr Obert spricht von „Hysterie“, ich nenne es „Vehemenz“ und – inzwischen immer mehr – „Zorn“.
Warum widersprechen die Gegner der „Autobahn“ mit immer wieder den gleichen Argumenten den momentanen Planungen? Aus dem einfachen Grund, weil die Einwände begründet sind und sich einige Befürchtungen schon bewahrheitet haben. Drei davon möchte ich beispielhaft nennen:
1. Einwand „Kosten“: Der zunächst genannte Kostenrahmen von rund 380 Millionen Euro wurde von den Gegnern als lächerlich gebrandmarkt. Inzwischen veranschlagt das staatliche Bauamt fast 500 Millionen Euro. Zudem war vor einigen Tagen erst in dieser Zeitung zu lesen, dass solche Projekte „Im Durchschnitt . . . im Verlauf der Planung um 57 Prozent teurer . . .“ werden (Main-Post, 4. August 2010, S. 8). Ist dieses Geld angesichts der Finanzlage nicht sinnvoller einzusetzen? Meine Vorschläge reichen von Bildung, über Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur bis zu Ausrüstung der Bundeswehr . . .
2. Einwand „Wirtschaftlichkeit“: Die Gegner haben immer wieder gemahnt, dass der Kosten-Nutzen-Faktor falsch sei. Das staatliche Bauamt hat mittlerweile die Zahl der prognostizierten Fahrzeuge nach unten korrigiert.
Die RWI-Experten stellten fest, „ . . . wo es ein dichtes Straßennetz gibt, sinkt der Nutzen jedes weiteren Autobahnkilometers schnell gegen Null.“ (ebd.). Dabei sind die Wirtschaftsfaktoren Natur, Erholungsfunktion, Wohnqualität noch gar nicht berücksichtigt. Zudem steht in den Sternen, ob sich „1000“ Arbeitsplätze in Main-Spessart ansiedeln oder Arbeitskräfte in Regionen abwandern, die mehr bezahlen, Stichwort „Fachkräftemangel“!
3. Einwand „Fertigstellung“: Immer wieder haben die Gegner gewarnt, dass die Autobahn vielleicht nur bis Karlstadt gebaut wird und dann über Jahrzehnte eine „Arnsteiner Situation“ droht: Es würden Zehntausende Fahrzeuge in die Region geleitet, die sich dann über die Dörfer den Weg zur nächsten Autobahn suchen. Zugegeben, das Werntal würde entlastet (Einschränkung: Wenn die B 26n mautpflichtig wäre!), aber Karlstadt und alle westlichen Ortsteile hätten die „A . . .-Karte“ gezogen. Nach den Berichten des Handelsblattes (Stichwort „Baustopp für Neuprojekte“, ebd.) können wir nun genau von dieser Situation ausgehen: Das Projekt wird maximal bis Karlstadt gebaut (lt. Planung im „vordringlicher Bedarf“), die Weiterführung liegt auf Eis (lt. Planung nur im „weiteren Bedarf“) und der Zubringer nach Lohr ist gestorben, da er in keiner Planung des Bauamtes bisher berücksichtigt wurde. Hier gibt es nur Wünsche und Hoffnungen, aber keinen Finanzierungsplan.
Die „Argumente“ und Drohungen der Pro-Seite sind inzwischen von der Realität überholt worden. Ebenfalls drei Beispiele:
1. „Das Licht geht aus“ ohne diese Straße! - Lesen sie dazu die oben genannte Einschätzung der RWI-Experten oder die Planungen in Schleswig-Holstein oder Hessen (Main-Post, ebd.).
2. „ Straße muss komplett mit Zubringer nach Lohr gebaut werden!“ – s. o. „Kosten“ und Finanzierung, d. h. der Komplettbau Werneck-Helmstadt ist vom Tisch. Wenn gebaut wird, dann bis „Karscht“ und nicht weiter!
3. „Verlegung der vorgeschlagenen Trasse“ – Das staatliche Bauamt hat leider nur eine mögliche Trasse vorgeschlagen, aufgrund des hohen Raumwiderstands. Eine Verlegung, wie sie Herr Obert vorschlägt „weg vom Menschen und hin zu geschützten Gebieten“ ist nicht durchführbar, weil dies gegen bestehendes (Naturschutz-)Recht verstößt. Jede Klage würde das Projekt stoppen.
Als letzten Punkt möchte ich den obengenannten „Zorn“ der Gegner ansprechen, unter anderem, weil die Pro-Seite versucht die Gegner in eine Ecke zu drängen, Stichworte sind „Rattenfänger“, „Notorische Nein-Sager“, „Hysterie“, etc ... Ausgeblendet wird, dass in dieser „Ecke“ inzwischen Landräte (ich darf genüsslich Herrn Eberhard Nuss aus der Mainpost, 6. August 2010, zitieren: „Eine B 26 n ist überflüssig, ja sogar Gift für die Region Kreis Würzburg-West.“ und „Beschreiben Sie die Planung nicht als hirnrissig, sondern einfach nur als doof.“), Bürgermeister und viele Gemeinde- und Stadträte, quer durch alle Parteien stehen.
Ob die Mehrheit der Karlstadter Bürger in dieser „Ecke“ steht, werden wir am 22. August sehen. Die BI hat hier eine klare Frage gestellt: Für oder gegen die B 26n? Und die Chance, das Wackelprojekt zu kippen, steigen!
Zum Versuch der Stadtratsmehrheit, die Bürger mit ihrem Ratsbegehren zu verwirren, möchte ich nichts sagen, dies hat Herr Bruno Maroscheck in seinem Leserbrief am 3. August 2010 in dieser Zeitung bereits pointiert getan.
Abschließend bitte ich den Leser, meine oben ausgeführten Argumente und Behauptung zu hinterfragen und zu prüfen. Ich freue mich auf eine sachliche Auseinandersetzung!
Günter Hofmann 97753 Karlstadt
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