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Erst einmal die kleinen Löcher stopfen |
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Leserbrief zum Artikel vom 20. Mai 2010 in der Main Post
„Nur einer überlegte es sich noch anders“
Den Vortrag des Vorsitzenden der BI-Karlstadt gegen die Westumgehung, Armin Beck, fand ich sehr informativ und gut aufgebaut.
Seine Argumente gegen die vierspurig geplante Autobahn, die als Bundesstraße getarnt sein soll, überzeugten mich. Ob die B 26n mehr Arbeitsplätze in unseren Landkreis beziehungsweise Stadt Karlstadt bringt, ist sehr fraglich. Beck führte aus, dass die Firmen SRAM und Husqyarna in Schweinfurt und Siemens in Bad Neustadt, die an der Autobahn liegen, trotzdem Arbeitsplätze abbauen!
Und jetzt, wo wir eine schön hergerichtete Altstadt haben und eine neue Touristeninformation vorzeigen können, wollen wir es uns mit den Touristen – viele Radler – verscherzen? Zählt unser einmaliges Naturschutzgebiet, das europaweit besondere Gräser aufweist, nur noch wenig? Folgenden Text las ich auf Internetseite des Landkreises Main-Spessart unter Tourismus und Kultur:
„Sehenswert:
Die historische Altstadt mit Marktplatz und Rathaus, die Stadtpfarrkirche St. Andreas, Naturschutzgebiete rechts und links des Mains mit einzigartiger Flora. Rad- und Wanderwege mit Karlstadt als Ausgangspunkt, direkt gelegen am Mainradwanderweg.“
Ob der Tourist oder der Einheimische sich dann noch so gerne in der Natur aufhält, wenn gleich daneben Autobahnlärm und Abgase kostenlos zu haben sind? Ich bin den Barfußlehrpfad im Gramschatzer Wald schon gelaufen. Sehr schön, wäre da nicht im Hintergrund immer der Lärm der vorbeirasenden Autos. Das passt nicht in ein Erholungsgebiet!
Jedoch gewiss ist uns der immense Flächenverbrauch, die Zerschneidung und Zerstörung der Natur und Naherholungsgebiete bei und um Karlstadt und Stadtteilen. Wir werden uns Lärm, Gestank und viele Autos und Lkw herholen. Und dafür sollen wir Steuerzahler auch noch 500 Millionen Euro bezahlen! (erfahrungsgemäß vom eigenen Hausbau wird es ja meist teurer als geplant!).
Spätestens jetzt müssten die Menschen, die sich bisher noch nicht für dieses Thema interessiert haben, aufhorchen! Wenn ich dann von der geplanten Mehrwertsteuererhöhung auf 25 Prozent lese (Main-Post vom 19. Mai) und „Kommunen droht Rekord-Defizit“ (Main-Post vom 15. Mai), dann frage ich mich schon, wie ist diese Summe bezahlbar? Wird die Autobahn mangels Geld doch dann in Karlstadt enden? Wer weiß!
Billigere Lösungen, sprich Umgehungen der vom Schwerlastverkehr stark betroffenen Gemeinden fände ich sinnvoll.
Meiner Meinung sollte das Thema Geld eine große Rolle spielen, zumal wir ja alle wissen, dass die Kassen (fast) leer sind. Nicht nur auf Bundesebene, das Gleiche gilt ja für viele Kommunen.
Da sollten meines Erachtens nach erst einmal die „kleinen Löcher gestopft werden“! Im übertragenen Sinne sollte die Stadt Karlstadt durch Bürgermeister Paul Kruck und unseren Stadtrat schnellstens dafür sorgen, dass die vielen Schlaglöcher auf der Fahrbahn innerhalb der Stadt und ihren Stadtteilen, die durch den strengen Winter entstanden sind, (zumindest) ausgebessert werden! Denn ich umfahre nicht so gerne tiefe Schlaglöcher.
Speziell in Karlburg müsste schon ewig die Zufahrt zur „Sanderau“ von der Karolinger Straße aus (Einbahnstraße) begradigt werden, damit man im Auto nicht „durchgerüttelt“ wird. Kleine, jedoch wichtige Arbeiten, die so bald wie möglich behoben werden müssten, sind mir als „kleine“ Bürgerin wichtig! Dagegen ist es für mich bedenklich, wenn an unseren Kindern wieder einmal gespart wird!
Im Jahr 2001 wurde von unseren damaligen Stadträten beschlossen, dass von acht Spielplätzen, die aus Kostengründen geschlossen werden sollten, doch „nur“ drei dem Rotstift zum Opfer fielen. Diese Minimierung der Schließungen war wohl aufgrund einer Unterschriftenaktion von unwilligen Eltern und Bürgern von Karlstadt und Stadtteilen zurückzuführen.
Es war auch schade, dass eine Gemeindebücherei bei uns in Karlburg aus Kostengründen (immense Kosten?) in eine Pfarrgemeindebücherei umgewandelt werden musste.
Und nun steht wieder eine Gebührenerhöhung für die Kinder der Musikschule in Karlstadt um zehn Prozent an.
Mein Vorschlag:
Die Stadt Karlstadt könnte sich und uns die Kosten für einen geplanten Bürgerentscheid für den 12. September 2010, der wohl zwischen
12 000 bis 15 000 Euro liegen wird, ersparen, wenn sie den massiven Widerstand von vielen Bürgern gegen die geplante B 26n registrieren und anerkennen würde. Sind denn mittlerweile bestimmt 1700 wahlberechtigte (!) Karlstadter Bürger, die sich gegen die B 26 n aussprechen, wirklich eine Minderheit?
An dieser Stelle muss ich staunend einen 93-jährigen Mann aus Karlstadt erwähnen, der bei der Demonstration vor dem Alten Rathaus sich in die Liste gegen die B 26n eingetragen hat, obwohl er stark sehbehindert ist. Trotz seines Alters und seines Gebrechens war es ihm wohl wichtig, die Stadtratssitzung mitzuverfolgen. Ebenso seiner Ehefrau, die mit ihrem Gehwagen kam. Leider wurde auch sie – wie viele von uns – von unseren Stadträten von deren Abstimmung enttäuscht! Aber die nächsten Wahlen kommen gewiss ...
Hier will und muss ich noch einmal Stadtrat Edgar Ehrenfels aus Karlburg mein Lob und Anerkennung aussprechen, dass er nun konsequenterweise als einziger Stadtrat seine Meinung korrigiert und die „Nordvariante“ (sie rückt nun näher an Karlstadt heran und mit kurzem Tunnel) abgelehnt hat. Diese Courage hatte er trotz Fraktionszwang und anschließender sofortiger Schelte von seinen Kollegen der Freien Wähler (auch das entgeht dem aufmerksamen Bürger nicht)!
Ehrenfels stand zu seinem Wort, dass er nur der Mittelvariante für Karlstadt zustimme, die jetzt aber nicht kommen soll.
Ich verstehe die Inkonsequenz der übrigen Stadträte nicht, die höchstens die „Mittelvariante“ tolerieren wollten laut ihrer letzten Stadtratssitzung.
Bei den Ausführungen des Vorsitzenden der Pro-Initiative, Manfred Goldkuhle, hätte ich mir gewünscht, dass er – wie Armin Beck – aufgestanden wäre und dann zu uns Bürgern gesprochen hätte. Er war schließlich nicht als stellvertretender Landrat, Stadtrat oder ehemaliger Zweiter Bürgermeister gefragt, sondern er hatte das Rederecht für die BI Pro B 26n. Da interessierte mich auch nicht unbedingt seine politische Laufbahn (33 Jahre aktiv). Das ist hier Nebensache!
Andrea Schrauth 97753 Karlstadt-Karlburg
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